- Kategorien
- BDO (1)
- Corporate Finance (1)
- Internationale Rechnungslegung (1)
- KMU (2)
- Non-Profit Organisationen (1)
- Treuhand (1)
- Unternehmensberatung (2)
- Wirtschaftsprüfung (3)
- Archiv
Eurokrise - mehr Ausgaben als Einnahmen!
Eurokrise - mehr Ausgaben als Einnahmen!
Der Euro steckt in seiner grössten Krise. Unsere exportabhängige Wirtschaft ist davon mehr betroffen als uns lieb sein kann. Zur Bewältigung der Finanzkrise wurden weltweit Fiskalpakete zur Stabilisierung beschlossen, die in ihrem Ausmass beispielslos sind. Fast alle europäischen Staaten haben seit 2009 ihre Gesamtverschuldung auf dramatische Weise erhöht. Das Defizit des Jahres 2009 war am höchsten in Irland (14,3 %), Griechenland (13,6 %), Grossbritannien (11,5%), Spanien (11,2%) und Portugal (9,4%). Nach den Maastricht-Kriterien sind 3 % des Bruttoinlandproduktes (BIP) erlaubt. Die von der Euro-Währungsunion vorgegebene Gesamtverschuldung soll 60 % des BIP nicht übersteigen. Kaum ein Land der Währungsunion erfüllt mittlerweilen diese Vorgaben. Dass eine Staatsverschuldung von mehr als 100 % des BIP's äusserst problematisch ist, ist seit langem bekannt. Sanktionen gegen Defizitsünder greifen offensichtlich nicht, wie wäre sonst die Situation in Griechenland erklärbar mit einer Staatsverschuldung von 115 % des BIP und einem sehr hohen Defizit. Dass man in Euroland gerne noch daran glaubt, dass die Krise in Griechenland ohne Verzicht der Gläubiger durchgestanden werden kann ist erklärbar durch die rund 43 Milliarden € Guthaben deutscher Banken gegenüber dem Staat Griechenland. Länder wie Frankreich befinden sich in ähnlich ungemütlicher Lage. Ein Hair-cut würde die eben wiedergewonnene Stabilisierung der Finanzmärkte stark belasten. Die grundlegende Ursache der hohen Staatsverschuldung ist, dass der Staat mehr Geld ausgibt als er einnimmt. Ausgaben werden getätigt, weil sie "notwendig" sind, notfalls eben auf Kredit. Seit Jahrzehnten werden Kredite nicht getilgt, obwohl auf Kredit angeschaffte Güter im Laufe der Zeit verschleissen oder Ausgaben und nicht Investitionen in Sachgüter finanziert werden. Wenn eine Schuld nicht bedient wird, laufen zudem ausser den Zinsen auch Zinseszinsen in bedeutender Höhe auf. Die aktuellen Probleme mit dem praktisch zahlungsunfähigen Griechenland und weiteren Staaten mit ungünstiger Entwicklung haben dazu geführt, dass das Vertrauen in den Euro erschüttert ist. Wenn man das korrigieren will, müssen Sparmassnahmen ergriffen werden, die bestimmt schmerzen und die nicht so ohne weiteres umgesetzt werden können. Ohne Hair-cut bei den Gläubigerbanken wird es letztendlich auch nicht gehen. Die Euro-Zone wird deshalb noch einige Zeit stottern. Die Schuldenbremse nach Schweizer Vorbild oder die Balanced Budget Acts in den USA und der durchgreifende Rückgang der Verschuldung in Dänemark zeigen, dass die Entwicklung umkehrbar ist. Das politische Klima hat sich gewandelt, heute wird vielmehr auf nachhaltige Entwicklung geachtet und eine unkontrollierte Schuldenwirtschaft wird von Sachverständigen und den Medien scharf kritisiert. Noch ist das Problem lösbar.
Für unsere Exportwirtschaft und die Tourismusregionen ist eine Verschlechterung der Währungsparität um mehr als 10 % nicht einfach zu verkraften. Grössere Industriebetriebe sind heute natürlich global tätig und produzieren oft auch im Euroland oder beziehen Güter, die entsprechend günstiger sind. Exportabhängige KMU und der Tourismus werden sich aber auf längerfristig schlechtere Rahmenbedingungen einstellen müssen. Das ist sicher ein Rückschlag in einer Phase der leichten Erholung. Mit hoher Qualität, Innovation und Flexibiliät werden die KMU auch diese Herausforderung meistern. Etwas düsterer sieht es im Tourismussektor aus. Ferien in der Schweiz werden für Europäer teurer und Ferien im europäischen Ausland für Schweizer deutlich billiger. Der Preis wird in nächster Zeit für Ferien in der Schweiz eher negativ wirken. Umso mehr müssen attraktive Angebote und hohe Servicequalität für unser Land sprechen. Wir Schweizer können vielleicht aus Solidarität mit unseren Tourismusregionen wieder einmal Ferien in der Schweiz planen und werden dabei feststellen, wie einmalig das Angebot ist und wie viele Regionen wir noch gar nicht richtig kennen.
Herzlich, Ihr
Ruedi Häfeli